Geschichte und Hintergründe

Museum

Die Psychiatrie ist eine umstrittene Institution und für viele Menschen irgendwie unheimlich. Dazu trägt die sehr wechselhafte und zum Teil tragische Geschichte bei. Unser Anliegen ist es, möglichst viele Aspekte kritisch der Öffentlichkeit näher zu bringen. Hemmschwellen und Vorurteile wollen wir abbauen, ohne die auch heute noch bestehenden Probleme zu beschönigen. Bei der Darstellung sind uns vier Konzepte wichtig: Durch die sachgerechte Information kann sich der Besucher ein eigenes Urteil bilden. Eine provokative Form lädt ein zum Nachfragen, zum Nachdenken und zum Gespräch. Die Besucher können sich interaktiv auf die Themen und Exponate einlassen. Die Themen werden multimedial präsentiert, d.h. alle Sinne sind beteiligt und gefordert.

Seele

.Auch für die Menschen unserer Zeit hat der Begriff „Seele“ eine Bedeutung. Trotz Medizintechnik, trotz wissenschaftlichen Fortschritts bleibt das Gegenüber eine individuelle Person, um deren Verständnis im Dialog gerungen werden muss. Der Mensch, auch wenn er Patient ist, lässt sich nicht auf seine Hirnfunktionen reduzieren. Die Psychiatrie bewegt sich in einem Spannungsfeld, in welchem Biochemie und Philosophie, Spiritualität und Pädagogik, ein aufgeklärtes Menschenbild und differenzierte Therapie aufeinandertreffen. Die Psychiatrie setzt an beim Leiden und subjektiven Empfinden (Angst, Wahn, Zwang, Scham, Depression, Sucht) und sie möchte dem seelisch kranken Menschen helfen, mit sich selbst und mit den an ihn gestellten Ansprüchen umzugehen.

Geschichte

Um das heutige Tun richtig zu verstehen, ist der Blick in die Geschichte unabdingbar. Das gilt für das Verständnis des Individuums ebenso wie für die Beurteilung einer Institution. Die Psychiatrie hat auf dem Hintergrund der sich wandelnden Gesellschaft tragische Tiefen und denkwürdige Höhen erlebt. Vor 200 Jahren waren die Verhältnisse für viele seelisch Kranke unmenschlich: Sie mussten aus Kerkern und Verließen und von Ketten befreit werden. Im deutschen Nationalsozialismus wurden vom Staat viele zigtausend psychisch Kranke ermordet. In den siebziger Jahren der Bundesrepublik Deutschland beschreibt eine Enquête über die Lage der Psychiatrie die Situation als „menschenunwürdig“. Demgegenüber gibt es Aufbrüche der wissenschaftlichen Erkenntnis: neue Therapiemethoden, Sigmund Freud und seine Psychoanalyse, medikamentöse Hilfen, eine sozialpsychiatrische Bewegung und vieles mehr. Das Christophsbad selbst ist seit mehr als 150 Jahren Ort dieser Geschichte. Die alte und die moderne Architektur bezeugen die Wandlungen.

Geschichten

Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Die Geschichte wird von Menschen gemacht. Neben Diagnosen, Therapiemethoden, Krankheitsbildern wollen wir vor allem auf die Menschen schauen, die leidenden und die helfenden. So stoßen wir auf unzählige bedeutsame Geschichten, Krankengeschichten und Biographien. Berühmte Persönlichkeiten begegnen uns als Psychiatriebetroffene und als therapeutisch Tätige. Anonyme Anekdoten bergen liebenswerte und nachdenkliche Botschaften. Wer ging hier ein und aus? Das waren Jacob van Hoddis, Heinrich Landerer, Margarete Klinckerfuß, Julius Robert Mayer, Hans Jörg Weitbrecht und viele Tausende, die ihre Spuren und Geschichten hinterlassen haben.